St. Matthias aktuell

26.09.2017

Kardinal plaudert aus dem Nähkästchen

Seminar St. Matthias feiert 90-jähriges Bestehen - Schüler befragen Erzbischof

Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, ließ sich nicht lange bitten. Der Geistliche stellte sich am Samstagvormittag den mitunter ungewöhnlichen Fragen der Schüler, feierte danach einen Gottesdienst in der Kirche St. Josef der Arbeiter und genoss später das Mittagessen an den festlich dekorierten Tischen im Innenhof. Damit nicht genug: Die Feierlichkeiten setzten sich am Nachmittag und Abend mit einer prominent besetzen Gesprächsrunde und einem Konzert des Tenors Christoph Rebelein fort.
„Tee oder Kaffee, Rum oder Whisky?“ Erzbischof Marx outete sich in einer Schülerfragerunde als Liebhaber des koffeinhaltigen Wachmachers und des schottischen Alkohols. Danach sollte sich der 64-Jährige in drei Worten selbst beschreiben. „A bisserl chaotisch“, antwortete er.
Nach diesem lockeren Auftakt zog die Festgemeinde in die Kirche St. Josef der Arbeiter. Viele ehemalige Seminaristen, Schüler, Lehrkräfte und Mitarbeiter waren gekommen, um das 90-jährige Bestehen der St.-Matthias-Stiftung zu feiern. Zu den Ehrengästen zählten Bürgermeister Klaus Heilinglechner, sein Geretsrieder Amtskollege Michael Müller, der scheidende Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel, Dritter Landrat Klaus Koch und Landtagsabgeordneter Florian Streibl.
Zu Beginn des Festakts am Nachmittag erinnerten die beiden Schulleiter Claus Pointner und Thomas Erhard an die vielen denkwürdigen Ereignisse des Jahres 1927. So gelang dem amerikanischen Piloten Charles Lindbergh damals der erste Nonstop-Flug von New York nach Paris, in Marktl am Inn wurde der spätere Papst Benedikt XIV. geboren. „Aber der Oberhammer war die Gründung der Stiftung St. Matthias in München“, sagte Pointner. Es war die erste Einrichtung des zweiten Bildungsweges in Bayern. Sie eröffnete jungen Männern aus ganz Bayern die Möglichkeit, das Abitur nachzuholen und Priester zu werden.
Über das Thema „Bildung gestern, heute, morgen“ diskutierten anschließend Ordinatsdirektorin Sandra Krump, der südbayerische Ministerialbeauftragte für berufliche Oberschulen, Konrad Mauer, Dritter Landrat Koch, Domkapitular Klaus Peter Franzl sowie Mathematik-Fachbetreuer Ralf Wiechmann. Die neuen Angebote der St.-Matthias-Stiftung, der seit Kurzem die Fachhochschule für Sozialwesen und das Projekt „Wohnen Plus“ angegliedert sind, beurteilten alle positiv. Franzl: „Wenn es uns gelingt, Waldram zu einem Ort der Berufsklärung zu machen, und wir ‚Wohnen Plus‘ etablieren, wäre das eine tolle Sache.“

Peter Herrmann

Aus der Rede des Kardinals
Mit Blick auf die Bundestagswahl rief Kardinal Reinhard Marx insbesondere die anwesenden jungen Frauen und Männer dazu auf, sich für die Demokratie zu engagieren: „Ihr werdet erleben, dass es sehr viel Einsatz braucht, um das, was Demokratie wirklich bedeutet, was Menschenwürde bedeutet, Freiheit bedeutet, zu bewahren und zu schützen, weiterzubringen. Das wird eine große Herausforderung des 21. Jahrhunderts.“ Es müsse eine öffentliche Debatte geben, darüber, welche Kultur man wolle. Dabei gehe es nicht darum, bestimmte Nationen gegeneinanderzustellen. „Es geht um die Grundlagen unseres Zusammenlebens, die Grundlagen unseres Menschenbildes“, sagte der Erzbischof von München und Freising. Eine zentrale Frage sei jene nach dem wirtschaftlichen Fortschritt: „Lasst euch nicht einreden, der ökonomische Erfolg sei untrennbar verbunden mit einem grenzenlosen Egoismus.“
Das Leitmotiv „Wir zuerst“ führe in die falsche Richtung, stattdessen müsse es heißen „Wir zusammen.”, betonte Kardinal Marx: „Dann finden wir auch Wege, die letztlich für alle besser sind.“

Redaktion

Quelle: isar-Loisachbote, Nr. 221, vom 25.09.2017, Lokales S. 4

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